BMW-Digitalchef Jens Monsees: Keine Angst vor neuen Playern

BMW-Digitalchef Jens Monsees: Keine Angst vor neuen Playern

BMW-Digitalchef Jens Monsees hat keine Angst vor branchenfremder Konkurrenz. Er will mit alten und neuen Wettbewerbern zusammenarbeiten, sagt er im Interview.

Google und andere Tech-Unternehmen arbeiten am autonomen Fahren. Haben Sie Angst vor der branchenfremden Konkurrenz?
Nein, im Gegenteil. Mit dem autonomen Fahren beschäftigen wir uns seit längerem, genauer gesagt: seit 2004. Und schon im Jahr 2011 fuhr ein Versuchsfahrzeug ohne Fahrereingriff auf der Autobahn A9 von München nach Nürnberg. Wir glauben, dass wir mit unseren Kompetenzen gut aufgestellt sind, und sehen es positiv, wenn das Angebot zu autonomen Fahrzeugen nicht nur von einigen wenigen getrieben wird.

Was heißt das konkret: Beobachten Sie die neuen Wettbewerber nur?
Nein, keineswegs. Dort, wo es sinnvoll ist, suchen wir die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Tech-Companys und gehen Kooperationen ein. Wir sprechen regelmäßig mit Unternehmen aus der Telekommunikations- und IT-Branche. Dabei geht es um technische Fragen der Fahrzeugvernetzung genauso wie etwa um die Verbesserung des Kundenerlebnisses. Generell sind wir gegenüber neuen Technologien immer aufgeschlossen.

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Welche Rolle spielt Corporate Venturing dabei?
Wir investieren in Start-ups sowohl aus strategischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen. Diese Vorgehensweise hat sich als vielversprechend und nachhaltig erwiesen. Schließlich beobachten wir wie viele andere: Innovationen kommen heute immer häufiger aus der Start-up-Szene. Durch unsere Corporate-Venturing- Aktivitäten können wir das Potential schon in einer frühen Phase erkennen und erschließen.

Wie sieht Ihre Venturing-Strategie aus?
Wir wollen den Austausch in beide Richtungen: Zum einen verschaffen uns die Minderheitsbeteiligungen direkten Zugang zu Innovationen. Zum anderen können wir die Start-ups nachhaltig unterstützen – finanziell, aber auch durch interne, nichtmonetäre Ressourcen. Die BMW-Group verfügt über technische Expertise en masse. Als etablierter, globaler Player verfügen wir außerdem über ein riesiges Netzwerk, das wir unseren Start-ups zur Verfügung stellen.

Eine andere Art der Zusammenarbeit steckt hinter dem Kartendienstleister Here, der ja auch eher am Rande zur traditionellen BMW-Kernkompetenz Autobau gehört. Dabei haben deutsche Autohersteller gemeinsam die Initiative ergriffen. Wird man das noch öfter sehen?
Solche Partnerschaften sind uns sehr wichtig für die gemeinsame Entwicklung neuer Technologien und den Ausbau zukunftsrelevanter Mobilität. Als ein weiteres Beispiel könnte man hier Ionity sehen. Gemeinsam mit Daimler, Ford und dem Volkswagen-Konzern haben wir im November 2016 ein gemeinsames Joint Venture zum Aufbau von öffentlicher Schnellladeinfrastruktur in Europa gegründet. Bis zum Jahr 2020 wollen wir europaweit rund 400 Schnellladestationen errichten und betreiben. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Initiative ein wichtiger Schritt ist, um die Elektromobilität auch auf der Langstrecke zu gewährleisten und damit im Markt zu etablieren.

Immer mehr Autozulieferer werden selbst zu OEMs. Chance oder Risiko für die etablierten Konzerne?
Wir sehen diese Emanzipationen weniger als Gefahr und mehr als Chance, das Mobilitätserlebnis gemeinsam zu verbessern, neue Kunden zu gewinnen und neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Wie wird die Zusammenarbeit denn künftig aussehen?
Keine Frage: Die Art und Weise, wie wir mit Zulieferern zusammenarbeiten, wird sich wandeln. Die klassische Beziehung zwischen Herstellern und Lieferanten wird es in dieser Form künftig nicht mehr geben. Stattdessen wird es zunehmend wichtiger werden, dass alle Partner ihre spezifischen Kompetenzen einbringen. Erklärtes Ziel muss sein, unseren Kunden gemeinsam ein besseres Angebot machen zu können.

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Gilt das auch für Branchenfremde?
Unbedingt. Für die BMW Group bieten die Digitale Transformation und die damit aufkommenden neuen Wettbewerber die Chance, das mobile Leben unserer Kunden einfacher, komfortabler und sicherer zu gestalten. Ich bin sicher, dass wir ganz neue Kundengruppen für neue Technologien und innovative Dienstleistungen begeistern können.

Welche Rolle spielen dabei Sie als Vice President Digital Strategy?
Digitalisierung ist bei uns bewusst nicht in einem eigenen Ressort oder bei einer einzelnen Person angesiedelt. Sie ist ein gesamtunternehmerischer Ansatz, der alle Fasern des Konzerns durchdringt. Im Mittelpunkt der Strategie steht nicht nur die Digitalisierung unseres momentanen Geschäftsmodells, sondern auch die Erarbeitung neuer Geschäftsmodelle für eine digitalisierte Gesellschaft. Für uns gehört die Digitalisierung elementar zu unserem Kerngeschäft. Nehmen Sie ein Beispiel: Im Vertrieb kommt es vor allem auf die Integration der physischen und der digitalen Kanäle an. Im Mittelpunkt steht dabei immer unser Kunde. Zu Recht erwartet er ein über alle Vertriebskanäle und digitalen Berührungspunkte ganzheitliches Premiumerlebnis.

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Wie funktioniert das Zusammenspiel mit den „klassischen“ Konzernbereichen?
Wir setzen schon seit längerem agile Modelle und Methoden ein – abteilungs- und themenübergreifend. Das hat teilweise sogar Auswirkungen auf unsere Organisation. Nehmen Sie etwa die IT und den Bereich „Vollautomatisiertes Fahren, Fahrerassistenz“. Wir arbeiten dort mit Scrum und skalieren diese Methodik auf ganze Organisationseinheiten. Ich halte es für unabdingbar, dass neue, softwaregetriebene Digitalbereiche eng und agil mit den klassischen Bereichen aus der Fahrzeughardware zusammenarbeiten.

Ist BMW eigentlich auch selbst irgendwo als „Branchenfremder“ aktiv?
Wir erweitern und überprüfen stetig unsere Geschäftsbereiche. Dazu gehört zum Beispiel auch das Thema Energiemanagement.

INFO

JENS MONSEES ist seit drei Jahren Vice President Digital Strategy bei der BMW Group. Er verantwortet dort die Digitalisierungsstrategie für alle Unternehmensbereiche. Zuvor war er unter anderem Global CEO der Solution Group Digital Marketing und CDO im Arvato-Board bei Bertelsmann und arbeitete unter anderem für Google und den Konsumgüterkonzern Henkel.

Foto: BMW

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