Aleš Drábek, CDDO von Conrad Electronics
Foto: Conrad Electronics

Conrad-Digitalchef Aleš Drábek: viele Kanäle, eine Datenbasis

Conrad-Digitalchef Aleš Drábek: viele Kanäle, eine Datenbasis

B2B und B2C, Onlineshop, Filiale und IoT: CDDO Aleš Drábek hat den Elektronikhändler Conrad omnichannelfit gemacht. Wie ist er vorgegangen?

Über Jahrzehnte verkaufte das Familienunternehmen Conrad auf zwei Wegen: Entweder die Kunden kamen in eine der in Deutschland rund 20 Filialen oder bestellten Ware aus dem Hunderte Seiten dicken Katalog. Letzteren konnten sie zwar in der Filiale mitnehmen, und die meisten Katalogartikel gab es auch stationär zu kaufen. Doch wirklich aus einem Guss war dieses Verkaufserlebnis nicht. Das ist heute anders: Der Elektronikhändler hat sich zu einem Omnichannel-Händler weiterentwickelt, wobei neben den Filialen der Onlineshop heute natürlich der wichtigste Kanal ist – der beliebte Katalog für Privatkunden wurde vor einigen Jahren sogar ganz eingestellt.

INFO

Das Unternehmen

Das heute bayerische Familienunternehmen Conrad Electronic wurde 1923 als kleines Elektronikgeschäft von Max Conrad in Berlin gegründet. Heute ist dessen Urenkel Werner Conrad Vorsitzender der Geschäftsführung, die Unternehmensgruppe hat rund 3.500 Mitarbeiter und ist in 16 europäischen Ländern aktiv. Das Sortiment im stationären sowie im Versandhandel umfasst für Privatkunden rund 800.000 und für Geschäftskunden rund 4 Millionen Artikel.

Mitverantwortlich dafür ist Aleš Drábek, seit drei Jahren Chief Digital and Disruption Officer (CDDO) bei Conrad. „In den vergangenen Jahren haben wir viel Zeit und Geld investiert in das Omnichannel-Erlebnis“, sagt er. Das fange schon bei eher einfachen Dingen an wie der Möglichkeit, auf der Webseite die Verfügbarkeit eines Artikels in der nächstgelegenen Filiale zu überprüfen und diesen vorzubestellen. Oder bei der Möglichkeit, in der Filiale gerade nicht vorhandene Artikel nach Hause zu bestellen oder online gekaufte Ware vor Ort umzutauschen. Dinge, also die Kunden heute eigentlich erwarten – an denen viele Händler aber nach wie vor scheitern. Dazu kommen Angebote, zum Beispiel Rechnungen und Kassenbons von Filialeinkäufen auch über das eigene Konto im Conrad-Onlineshop runterladen zu können – natürlich nur, wenn der Kunde sich über eine Kundenkarte „ausweist“ und sein Einkauf so nachvollziehbar ist. Für den Kunden ist es also letztlich zweitrangig, über welchen Kanal genau er etwas gekauft hat, für Drábek und sein Team ebenfalls – solange es ein Conrad-Kanal war.

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Eigene Frontends für B2B-Großkunden

Damit das funktioniert, müssen alle Kanäle auf die gleiche Datenbasis zugreifen. „Ohne diesen gemeinsamen Datenstand würde es nicht funktionieren“, ist Drábek überzeugt. So bekommen die Kunden im Conrad-Onlineshop andere Informationen angezeigt als der Verkäufer im Laden, der dort einen Kunden berät. Die Informationen stammen allerdings aus der gleichen Datenbank. „Ein Onlinekunde hat aber im Zweifelsfall einen anderen Informationsbedarf als ein Kunde – und damit mittelbar ein Verkäufer – im Laden“, erklärt Drábek. Produktfotos etwa müssen auf den Terminals, mit denen die Verkäufer im Laden ausgestattet sind, nicht angezeigt werden, weil die Artikel in der Regel ja live betrachtet werden können. Im Onlineshop sind sie dagegen umso wichtiger. „Der Omnichannel-Ansatz geht aber noch weiter“, sagt Drábek. Denn für B2B-Großkunden produziert Conrad mitunter eigene Frontends, die wiederum andere Informationen anzeigen können und müssen – die aber auf der gleichen Datenbasis fußen wie die Informationen in der Filiale und im Onlineshop.

Eine wichtige Rolle dürfte in Zukunft zudem die hauseigene IoT-Plattform „Conrad Connect“ spielen. Diese war bis vor kurzem vor allem auf die Smart-Home-Automatisierung ausgerichtet, nimmt nun aber auch kleinere Unternehmen ins Visier. Sie sollen, so das Unternehmensversprechen, zum Beispiel ihre Lagerhaltung einfach automatisieren können. Conrad setzt dabei laut Drábek bewusst auf ein offenes System, das erlaubt, Produkte von verschiedenen Herstellern miteinander zu vernetzen. „Viele Kunden haben Angst, in falsche Technologien investieren, die dann nicht das können, was sie benötigen“, glaubt er. Eine offene Plattform schaffe hier Abhilfe.

„Der nächste Level von Omnichannel“

„Conrad Connect“ ist aber für Drábek nicht nur ein neues Produkt oder eine neue Produktwelt. Es ist auch ein neuer Verkaufskanal. Oder wie es der Conrad-Digitalchef ausdrückt: „der nächste Level von Omnichannel.“ So sei es heute schon möglich, dass Maschinen mehr oder minder eigenständig Ersatzteile kauften. Zum Beispiel könne eine smarte Lampe feststellen, wenn ein Leuchtmittel kaputtgehe, und ein Rauchmelder merken, wenn die Batterie leer geht. Der Nutzer müsse dann den vorgeschlagenen Kauf nur noch in der Conrad-Connect-App auf dem Handy freigeben und bekomme dann Nachschub geliefert.

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Drábek ist zwar davon überzeugt, dass solche Smart-Home-Lösungen kurz vor dem endgültigen Durchbruch auch in breitere Bevölkerungsschichten stehen, noch richten sie sich aber vor allem an Early Adopter. Dass diese seit jeher einen großen Teil der Conrad-Kunden ausmachen, scheint daher ein Vorteil – und hilft bei der Positionierung am Markt. Denn darauf legt der CDDO Wert: „Wir sind kein Nischenanbieter, sondern ein Kaufhaus für technologische Produkte.“ Und dazu gehöre neben dem Omnichannel-Erlebnis und einem guten Service vor allem das Angebot zusätzlicher Leistungen, wie eben „Conrad Connect“ oder die Crowdsourcing-Plattform „Mila Friends“, über die Kunden zum Beispiel kostengünstige Installationshilfe bei anderen Kunden buchen könnten. So hofft Drábek, auch in Zukunft gegen die amerikanische (Amazon) und chinesische (Alibaba) Konkurrenz im E-Commerce auf der einen Seite sowie die Elektromärkte wie Saturn und Media Markt auf der anderen Seite bestehen zu können. „Wir haben unseren Weg gefunden als Plattform für technische Produkte“, sagt er.

Nächster Schritt: Plattformökonomie

Das Wort Plattform könnte in Zukunft noch häufiger fallen in der Conrad-Zentrale. Denn seit der Öffnung von „Conrad Connect“ für B2B-Anwender wird das Unternehmen erstmals auch zum B2B-Marktplatz. „Das ist eine massive Änderung unseres Businessmodells“, sagt Drábek. „Denn auf einmal haben wir nicht mehr die gesamte Kette in der Hand.“

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Der CDDO

Aleš Drábek ist seit 2016 Chief Digital and Disruption Officer bei Conrad und in dieser Rolle auch Mitglied der Geschäftsführung. Er soll die Digitale Transformation im Unternehmen treiben und ist unter anderem für die Bereiche E-Commerce und für die gesamte IT verantwortlich. So forcierte er in den vergangenen drei Jahren unter anderem den Umstieg der gesamten Datenverarbeitung in die Google-Cloud-Lösung Gsuite. Vor seinem Wechsel zu Conrad war der studierte Mathematiker und Statistiker unter anderem bei Metro Cash und Carry für die Digitalisierung zuständig und leitete jeweils die tschechischen Aktivitäten der Handelsunternehmen C&A (1998 bis 2006) und Rossmann (2006 bis 2008).

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