Vinci-Energies-CDO Kirchmair: „Wer nicht mit Start-ups kooperiert, handelt fahrlässig“

Vinci-Energies-CDO Kirchmair: „Wer nicht mit Start-ups kooperiert, handelt fahrlässig“

Digitalisierung = Start-ups, anders funktioniert die Gleichung nicht, sagt Bernhard Kirchmair, Chief Digital Officer bei Vinci Energies Deutschland.

Das Ergebnis ist brutal: 67 Prozent der etablierten Unternehmen arbeiten nicht mit Startups zusammen. Das ergab eine aktuelle Bitkom-Studie. Als Gründe dafür nannten die Manager mangelnde Zeit und fehlende Budgets. Der Großteil sieht zudem keinen Mehrwert in einer solchen Kooperation.

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Auftrag nicht verstanden

Mal ehrlich, wer so denkt, hat das Wesen der Digitalisierung nicht verstanden und handelt betriebswirtschaftlich fahrlässig. Künftig wird der Wert eines Unternehmens nicht mehr einzig durch die eigene Leistungsfähigkeit oder die Produkte bestimmt, sondern in ganz erheblichem Maße durch das Ökosystem. Mit Start-ups zu kooperieren ist also nicht keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein.

Es ist doch das Wesen der Digitalisierung, zu kooperieren und Netzwerke aufzubauen. Wer das nicht verstanden hat, unterschätzt die Tragweite der transformativen Kraft. Denn spätestens in ein paar Jahren, wenn nicht schon ein paar Monaten, wird das Unternehmen aufwachen und sein Geschäftsmodell überdenken müssen. Für Manager, die nicht mit Start-ups zusammenarbeiten wollen, ist dann kein Platz mehr.

Falsche Argumente

Um nochmal das Argument „mangelnde Zeit“ zu belasten: Das ist der Denkfehler schlechthin. Früher galt: Wer schnell sein will, boxt die Dinge alleine durch. Heute ist genau das Gegenteil der Fall. Die Komplexität nimmt zu, in einer bahnbrechenden Geschwindigkeit.  Die Skills, die man dafür benötigt, sind so vielfältig und oft auch branchenübergreifend, dass man alleine dafür viel zu lange braucht. Deshalb ist es entscheidend, die richtigen Kooperationen zu stricken und kompetente Partner an Bord zu holen.

Natürlich kostet eine Zusammenarbeit mit Start-ups auch Geld. Darauf zu verzichten wäre aber sehr viel teurer. Etablierte Unternehmen vergeben so nämlich wertvolle Chancen. Denn durch Kooperationen erhalten sie Zugang zu Innovationen, zu neuen Skills, zu neuen Lösungen und zu den neuesten Produkten. Sie werden attraktiv für neue Kunden. Und nicht zuletzt können sie vom Mindset der Start-ups profitieren und einen Kulturwandel fördern. Schließlich zeigen Studien immer wieder, dass die Unternehmenskultur eine der größten Barrieren für den digitalen Fortschritt ist. Der Mehrwert für die etablierten Unternehmen liegt also auf der Hand.

Das eigene Setting hinterfragen

Kooperationen fallen allerdings nicht vom Himmel – man muss auch etwas dafür tun. Der erste Schritt besteht darin, klar herauszuarbeiten, was das eigene Unternehmen im Gegenzug zu bieten hat. Das kann zum Beispiel Finanzierung sein, Know-how in Marketing oder Vertrieb, Reputation, eine größere Sichtbarkeit am Markt, der Zugang zu einem Kundenstamm oder Integrationsleistungen. Viele Startups sind zum Beispiel stark spezialisiert auf einen bestimmten Prozessdigitalisierungsschritt oder eine Technologie, sie haben aber Integrationsbedarf rechts und links davon. Mit einem etablierten Partner an der Seite, der dies beherrscht, können sie ihren Kunden gegenüber ganz anders auftreten.

Für Unternehmen ist es essenziell, für Startups „andockfähig“ zu sein. Dafür eignet sich die Rolle eines Chief Digital Officer oder der Aufbau eines Digitallabors, das für Innovationen steht. Je nach Unternehmensgröße kann die Schnittstelle zur Start-up-Szene auch aus einem ganzen Team oder nur einer Person bestehen. Der oder die Ansprechpartner sollten klar nach außen kommuniziert werden und präsent sein, sodass Start-ups wissen, an wen sie sich bei Interesse wenden können.

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Und keine Panik: Man muss nicht unbedingt große Summen investieren und gleich Anteilseigner an einem Start-up werden. Oft empfiehlt es sich, erst einmal ein einzelnes, spannendes Projekt zu finanzieren. Das Budget dafür bleibt überschaubar und man lernt sich kennen. Bei Erfolg kann man die Zusammenarbeit anschließend ausbauen.

INFO

Der Autor

Dr. Bernhard Kirchmair ist Chief Digital Officer bei Vinci Energies Deutschland. Zuvor war der Informatiker und promovierte Ökonom nach Gründung eines Start-ups und einem Aufenthalt im Silicon Valley als Unternehmensberater sowie in verschiedenen leitenden Funktionen bei großen Unternehmen tätig, zuletzt beim Mobilfunkanbieter O2. Bei Vinci Energies Deutschland verantwortet er die Digitale Transformation des Konzerns und das Wachstumsfeld Internet of Things (IoT).

Foto: Vinci Energies Deutschland

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