Digitale Transformation für zukunftsfähige Unternehmen

Die Digitale Transformation verändert Bedürfnisse und Anforderungen von Kunden. Unternehmen müssen darauf reagieren, indem sie sich selbst digitalisieren.

Wenn es im 21. Jahrhundert einen oft genutzten, aber nur selten detailliert erklärten Begriff gibt, dann ist das „Digitale Transformation“, vor allem die Digitale Transformation in Unternehmen. Kaum eine Pressekonferenz, kaum ein Jahresbericht kommt ohne Rückgriff auf diesen Begriff aus. Deshalb sollen hier einfache Fragen im Vordergrund stehen: Was ist Digitale Transformation? Und was bedeutet Digitale Transformation für ein Unternehmen?

Mehr lesen

Weniger lesen

Digitale Transformation: Definition

Allgemein bezeichnet die Digitale Transformation einen Prozess, der oft auch digitaler Wandel genannt wird. Es ist ein Veränderungsprozess, in dem die stetige Weiterentwicklung digitaler Technologien Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig prägt. Die technischen Möglichkeiten verändern Gewohnheiten und Bedürfnisse der Menschen, die sich kurz- oder mittelfristig an die Veränderungen anpassen.
Die neuen Technologien dringen sehr schnell in den Alltag der meisten Menschen ein, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Gute Beispiele dafür sind die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram, von Cloud-Services für das Speichern von persönlichen Daten oder von Smart Devices wie Mobilgeräte, aber auch Smartwatches oder Fitnessarmbändern.

Digitale Transformation in Unternehmen

Eine solche Definition für Digitale Transformation ist allerdings noch nicht ausreichend, denn die Auswirkungen auf die Wirtschaft gehen weiter. Wie alle gesellschaftlichen Transformationsprozesse verwandelt auch die Digitale Transformation die Praxis der Unternehmen – zum einen über dem Umweg geänderter Erwartungen der potentiellen Kunden, zum anderen aber auch direkt über neue Möglichkeiten, Prozesse zu organisieren oder Produkte zu konzipieren. Ein Beispiel der Digitalen Transformation der Gesellschaft ist die zunehmende Haltung „alles, aber sofort“. Losgröße eins und Same-day-Delivery sind für Chief Digital Officer (CDOs) inzwischen in fast allen Branchen zumindest gedanklich präsent. Dies zwingt Unternehmen dazu, auf die neuen Kundenwünsche zu reagieren und die entsprechenden Möglichkeiten anzubieten.

In der Wirtschaft wird als Digitale Transformation etwas spezieller der Prozess des digitalen Wandels in einem Unternehmen bezeichnet. Der Chief Digital Officer begleitet und steuert diesen Prozess. Seine Aufgabe ist es, die Strategie der Digitalisierung auszuarbeiten. Generelle Aussagen dazu sind kaum möglich, die konkreten Maßnahmen der Digitalisierung hängen von der Branche, den Rahmenbedingungen eines spezifischen Marktes, der Kundenstruktur sowie von organisatorischen und personellen Voraussetzungen ab. Was jedoch alle eint: Unternehmen werden gezwungen, die bisherige Vorgehensweise durch effiziente, digitale Prozesse abzulösen, innovative Produkte und Services auf den Markt zu bringen und sich neue Geschäftsmodelle zu überlegen, die bestehende Paradigmen und Gewissheiten in Frage stellen.

Erfolgsfaktoren für die Digitale Transformation

Die Digitale Transformation in Unternehmen hängt von einer Reihe von Erfolgsfaktoren ab, die beachtet werden sollten.

Digitalisierung ist Chefsache

Dieser Satz ist vermutlich eine der meistgenannten Anforderungen. Er verweist auf die große Bedeutung des Managements für die Digitale Transformation. Wenn Vorstand und Geschäftsführung die Digitalisierung nicht sichtbar unterstützen, entsteht bei den Mitarbeitern der Eindruck: „Es ist nicht ernstgemeint“, und die Digitale Transformation kommt nicht voran. Best Cases zeigen, dass die Gründung eines „Digital Transformation Office“ und die Ernennung eines „Chief Digital Officer“ (CDO) wichtige Impulse in das Unternehmen senden kann. Dies entbindet allerdings nicht den CEO und die weiteren Akteure des C-Level von der Pflicht, die Digitalisierung ebenfalls zu unterstützen. Denn ebenfalls klar ist: Die Digitalisierung ist keine Technologiefrage oder singuläre Problematik, die sich im Unternehmen separat zu anderen Bereichen „lösen“ lässt. Sondern die Digitale Transformation umfasst und betrifft fast notwendigerweise alle Bereiche eines Unternehmens – von der Produktion bis zur Finanzierung.

Ambidextrie

Ein Unternehmen, das seine Digitale Transformation beschleunigen will, muss zwei Dinge gleichzeitig umsetzen: Erstens muss es das bestehende Geschäftsmodell pflegen und optimieren, zweitens muss es neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle entwickeln. Diese Zweigleisigkeit (Ambidextrie) sollte sich auch im Unternehmen deutlich zeigen. Die Ernennung eines CDO und die Schaffung eines „Digital Transformation Office“ können hier nur ein erster Schritt sein. Meist ist eine deutliche Trennung zwischen traditionellen und innovativen Geschäftsbereichen der vielversprechendste Ansatz. Digitalprojekte sollten idealerweise außerhalb des Unternehmens in einem geschützten Raum entwickelt werden – etwa in einem Innovationslabor oder einer ausgegründeten Digitaltochter –, um nicht bereits in frühen Stadien der Entwicklung von den bestehenden Konzernstrukturen und -paradigmen ausgebremst zu werden.

Digitalexpertise

Wie bei jedem neuen Thema sollte ein Unternehmen zunächst Know-how aufbauen. Einerseits ist darunter die Weiterbildung der vorhandenen Mitarbeiter aus allen Fachbereichen und Hierarchieebenen zu verstehen. Andererseits müssen für viele Aufgaben und neue Technologien auch spezifische Digitalisierungsexperten eingestellt werden. Häufig müssen Spezialisten in den Bereichen Big Data, Künstliche Intelligenz, Machine-Learning, Software-Engineering und anderen Bereichen in das Unternehmen integriert werden. Auch diese Auswahl und Entwicklung der richtigen Mitarbeiter ist eine Kernaufgabe jedes CDO.

Digitale Transformation von Geschäftsmodellen

Zu den großen Chancen der Digitalen Transformation gehört die Entwicklung von neuen Produkten, Services und Geschäftsmodellen. Neben der richtigen Strategie ist hier auch eine angepasste Vorgehensweise in der Umsetzung gefragt. Durch die Erfahrungen der US-Internetunternehmen und zahlreicher Start-ups hat sich mit der Zeit eine Art Blaupause für Digitalisierungsansätze gebildet. Sie enthält im Wesentlichen drei wichtige Werkzeuge, die nahe verwandt sind: Agilität, Design Thinking und das Lean-Startup-Konzept.

Agilität

Der Begriff der Agilität oder der agilen Entwicklung kommt aus der Softwareentwicklung und bezeichnet ganz allgemein das iterative, an Rückmeldungen durch Nutzer orientierte Entwickeln einer Software. Dabei wird auf umfassende Projektpläne oder Pflichtenhefte und deren Verwirklichung in einem Schritt verzichtet. Stattdessen wird die Software schrittweise weiterentwickelt. Dabei werden nur die Funktionen eingebaut, die von den Anwendern auch tatsächlich gewünscht werden. Hierdurch wird Over-Engineering vermieden, das häufig für das Scheitern von Entwicklungsprojekten verantwortlich ist. Diese Methodik lässt sich relativ leicht auf das allgemeine Projektmanagement übertragen und sollte in einem digitalen Unternehmen zum Standardansatz für die Umsetzung von Digitalprojekten werden.

Design Thinking

Das von der international erfolgreichen Designagentur Ideo entwickelte Verfahren beschreibt eine methodische Vorgehensweise bei der Entwicklung eines Produktprototypen. Ausgangspunkt sind dabei ausschließlich die Kundenbedürfnisse. In mehreren, wiederholt zu durchlaufenden Schritten wird ein marktfähiger Prototyp gestaltet. Die Entwicklungsteams bei Design Thinking bestehen aus Vertretern unterschiedlicher Disziplinen und Fachbereiche im Unternehmen, aber auch aus Kundenvertretern oder anderen Stakeholdern. Bei Design Thinking handelt es sich um einen multidisziplinären Ansatz, der unterschiedliche Methoden einsetzt. So ist es zum Beispiel üblich, einzelne Kundengruppen zu identifizieren und sie jeweils als „Persona“ zu modellieren, deren Wünsche und Bedürfnisse im Design-Thinking-Prozess berücksichtigt werden.

Lean Startup

Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine methodische Vorgehensweise, die der Informatiker Eric Ries aus der Beobachtung von erfolgreichen Start-ups abgeleitet hat. Im Kern versteht diese Methode die Entwicklung eines neuen Produkts als Experiment. Dabei wird ein sogenanntes MVP (Minimum Viable Product) entworfen, das den Kundenbedürfnissen gerade eben entspricht – also vergleichsweise einfach und bewusst unvollendet ist. Es ist deshalb schnell zu produzieren und wird rasch im Markt getestet. Anschließend werden die Kundenreaktionen ausgewertet. Dann wird das Produkt anhand der Ergebnisse weiterentwickelt, wieder getestet und erneut verbessert. Durch diese schleifenartige Vorgehensweise ist zum einen ein schneller Markteintritt möglich und zum anderen eine gute Anpassung an die Anforderungen des Kunden.
Die Anwendung dieser Methoden bringt natürlich keine Erfolgsgarantie mit sich, doch sie erhöhen meist die Erfolgswahrscheinlichkeit und erleichtern dem Digitalchef auch in Konzernkontexten die Reaktion auf Angriffe von neuen Wettbewerbern, beispielsweise aus der Start-up-Szene.

Foto: Theerapong28/iStock/Getty Images

Aktuelle Beiträge zum Thema Digitale Transformation

CDO Insight: der Newsletter

Alles Wichtige für Digitalchefs. Wöchentlich. Kostenfrei per Newsletter.

 

Jetzt kostenlos registrieren

CDO Newsletter

 

Die wichtigsten Neuigkeiten wöchentlich kostenfrei per Newsletter.

 

Jetzt kostenlos registrieren

MEHR DAZU »
Die juristischen Aspekte der Industrie 4.0 und des Einsatzes von KI im Unternehmensalltag
Alles Wichtige für Digitalchefs – Jede Woche neu – Kostenfrei per Newsletter
Alles Wichtige für Digitalchefs. Wöchentlich. Kostenfrei per Newsletter.
Newsletter kostenlos abonnieren
Newsletter kostenlos abonnieren
Alles Wichtige für Digitalchefs

– Jede Woche neu – Kostenfrei per Newsletter
Newsletter kostenlos abonnieren